BuiltWithNOF
Gutachten

 

 

Ich danke recht herzlich Dr.Peter Niehenke für diesen Text

                                                                               V.S.

 

 

“Man erliegt einem großen Irrtum, wenn man meint, die Erstellung eines
Gutachtens sei ein "technisches Problem”, ein Problem vielleicht auch der Kombinationsgabe. Dies ist es zwar auch, doch die technische Seite ist höchstens die eine Hälfte der Schwierigkeit. Die andere Hälfte liegt in der Persönlichkeit des beratenden Astrologen begründet: Ein Horoskop in seiner Ganzheit zu erfassen, heißt in Beziehung zu treten zu einer Wesensstruktur, die mir möglicherweise fremd ist. Meine Aufgabe besteht zu allererst darin, dieser Wesensstruktur gerecht zu werden. Das verlangt ein "weites Herz”.
Nehmen wir zum Beispiel einen stark "venus-betonten” Astrologen (etwa durch eine starke Besetzung der Zeichen Stier und Waage), der das Horoskop eines stark "skorpion-betonten” Klienten zu deuten hat: Die aus der eigenen Wesensstruktur erwachsenen Werte des Astrologen sind die der Friedfertigkeit, Kompromißfähigkeit, der Bereitschaft zur Anpassung; dazu die Tendenz, Menschen gegenüber eine "Gärtner-Haltung” einzunehmen. Diese stier-typische Verhaltensweise ist geprägt von der Bereitschaft, die Dinge
sich nach den ihnen selbst innewohnenden Gesetzen entwickeln, entfalten zu lassen, so auch die Menschen, so auch sich selbst.
Der "skorpion-betonte” Klient dagegen sucht eher Reibung, empfindet Kompromisse schnell als "faul”, Anpassung leicht als Mangel an Zivilcourage, zudem tendiert er Menschen gegenüber eher zum "Interventionismus”, er greift ein in Prozesse, konfrontiert.
Der "Stier-Astrologe” hat mit Menschen dieser Art vielleicht in seinem Leben schon häufiger Bekanntschaft geschlossen, fühlte sich durch die interventionistische Haltung in seiner Stier-Ruhe gestört, durch Provokationen in seiner Friedfertigkeit aufgeschreckt, kurz: er empfand Menschen dieser Art als "anstrengend”, wenn nicht Schlimmeres. Und nun sitzt ihm ein besonders gelungenes Exemplar genau dieser Gattung gegenüber (und sei es "im Geiste”, bei einem schriftlichen Gutachten). Wird er ihm gerechtwerden können? Wird er seine persönliche Wertung oder gar Abneigung gegen bestimmte Aspekte des Skorpion-Seins zurückstellen können?
Kann er sehen, daß die Aggressivität des Klienten positiv ist,
Reinigungsprozesse in Gang zu setzen in der Lage ist oder
zwischenmenschliche Beziehungen einer Klärung näher bringen kann? Oder wird er mit erhobenem Zeigefinger darauf hinweisen, daß Skorpione in Gefahr sind, friedliebende Menschen zu verunsichern, weil sie "einfach keine Ruhe geben
können”?
Das moralische Niveau eines Menschen ist aus dem Horoskop nicht erkennbar.
Daß der Skorpion, wie jedes andere Zeichen auch, sich in einer asozialen, destruktiven Weise manifestieren kann, daran besteht kein Zweifel. Doch das hat mit dem Zeichen nichts zu tun. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß wir Menschen für manche Art der Asozialität oder Destruktivität ein gewisses Verständnis aufzubringen bereit sind, andere Arten, die objektiv keineswegs
weniger schädlich zu sein brauchen, jedoch als das Böse schlechthin
anzusehen geneigt sind.
So mag der Stier-Astrologe es zwar auch als menschliche Schwäche betrachten, wenn jemand dazu tendiert, Konflikte unter den Teppich zu kehren, kompromißlerisch auch "unsaubere Lösungen” zu akzeptieren bzw. sich mit ihnen einzurichten. Doch wird er vielleicht finden, daß die Bereitschaft, im Streitfalle auch mal "Öl ins Feuer zu gießen” (er wird sagen: Menschen
gegeneinander aufzuhetzen) oder Menschen bloßzustellen ganz besonders unsympathische Varianten menschlicher Schwäche sind.
 

Es leuchtet ein, daß persönliche Wertungen dieser Art dem Gutachter den Blick verstellen können, daß sie ihn daran hindern können, die Ganzheit des Horoskops adäquat zu erfassen. Er sieht vielleicht bestimmte Möglichkeiten, bestimmte Chancen des Horoskops nicht, weil diese Möglichkeiten vielleicht
mit Handlungsweisen zusammenhängen, die er nicht fördern möchte, weil er sie auch nicht mag.

 



  • Ein Gutachten muß man "backen” !
     
  • Das Horoskop ist uns in der Sprache der Symbole gegeben. Das Wort Symbol kommt aus dem Griechischen, abgeleitet von "symballein”, was soviel heißt
    wie zusammenwerfen. Das Symbol bezeichnet also "Zusammengeworfenes”, "Zusammengewürfeltes”.
    Ein Symbol wird zur Kennzeichnung eines Sachverhalts dann notwendig, wenn dieser Sachverhalt einen hohen Grad an Komplexität aufweist, so daß er mit einem logisch eindeutigen Begriff nicht zu erfassen ist: Das Symbol faßt
    Elemente, die unter dem Gesichtspunkt der Rationalität oder Logik als widersprüchlich bezeichnet werden können oder müssen, zu einer Einheit, einer Ganzheit zusammen. Diese Ganzheit ist eine "wesensmäßige” Zusammengehörigkeit der unter ihr subsumierten Einzelelemente.
    Ein rationalistisch orientierter Mensch wird Mühe haben, die Aufzählungen der unterschiedlichen Bedeutungen eines astrologischen Deutungselements(etwa eines Planeten) als eine Ganzheit oder Einheit zu sehen: zu
    "unzusammenhängend” erscheinen die einzelnen Entsprechungen.
    Allein schon die Tatsache, daß Mars, der antike Kriegsgott, auf Bildern mit Lanze und Pflug abgebildet ist, deutet auf eine dieser "Unvereinbarkeiten”.
    Was hat schließlich die Tätigkeit eines Bauern mit der eines Kriegers gemein? Sind da nicht die Unterschiede viel bedeutsamer als die Ähnlichkeiten?
    Für uns sind Pflug und Lanze Symbole des friedlichen wie des kämpferischen Erwerbs neuen Lebensraumes. Der Pflug war nämlich das Symbol der sog. "Jungmannschaften” im antiken Rom, die im Frühjahr auszogen, neues Land urbar zu machen. Sie erweiterten den Lebensraum auf friedliche Weise. Die
    Soldaten dagegen durch den Kampf. Im Sinne der Selbsterhaltung von Individuum und Gattung gehört beides zusammen, nur unsere Werte trennen diese beiden Dinge. Unsere Wertvorstellungen sind es denn auch, die uns oft den Blick für Gemeinsamkeiten verstellen. Je mehr wir unreflektiert unsere individuell und höchstens kulturell geltenden Wertvorstellungen verabsolutieren, je weniger werden wir die wahre Bedeutung der astrologischen Symbole erfassen können. Die Arbeit des deutenden Astrologen ist eine Übersetzung: aus der Sprache der Symbole in unsere Alltagssprache. Wir wissen, wie schwierig schon eine
    Übersetzung von einer Alltagssprache (etwa Englisch) in eine andere Alltagssprache (etwa Deutsch) sein kann, daß es für manche Begriffe im Englischen keine eindeutigen Entsprechungen in der deutschen Sprache gibt und umgekehrt. Wie schwierig muß da erst die Übersetzung aus einer Sprache sein, die sich einer ganz anderen "Logik” bedient, die ganz andere Strukturen zugrundelegt.
    Es leuchtet ein, daß der Vorgang der Übersetzung zwangsläufig anders verlaufen muß als bei einer "Alltagssprache”. Wir können nicht "Wort für Wort” übersetzen (es sind ohnehin keine Worte da), nicht einmal Satz für Satz. Wer also die "Anregungen” in Lehrbüchern als Puzzlestücke eines späteren Gutachtens mißversteht, als Begriffe, die nur noch richtig "zusammengefügt” werden müssen, der geht an dem vorbei, was eine "Gestalt” ist. Immer wieder liest man Gutachten, die aufgebaut sind wie eine "Logelei” (so nenne ich es gern): Saturn = alt, Mond = Frau, Saturn-Mond-Aspekt = alte
    Frau.  -------         So geht es nicht!
    Meist erkennt man an der Sprache, ob der Verfasser des Gutachtens in seiner Not zu einer "Logelei” gegriffen hat: Das Gutachten beginnt vielleicht  lebendig in der Sprache des Schreibers, man spürt, daß etwas fließt, daß er  innerlich mitvollzogen hat, was er schrieb. Plötzlich kommt ein Bruch, die Sprache ändert sich, wird merkwürdig steif oder abstrakt oder allgemein, ändert sich jedenfalls in Tonfall und Duktus. Ich weiß dann: Hier hat der
    Schreiber etwas ausgedrückt, das er nicht nachvollziehen konnte, das ihm selbst unverständlich blieb. Er hat "Entsprechungen zusammengeschustert”, aber er hat nicht "gedeutet”. Vielleicht hat er auch einfach abgeschrieben, doch das muß gar nicht sein.
    Ich vergleiche die Abfassung eines Gutachtens gern mit dem Backen eines Kuchens. Beim Backen ist es nicht damit getan, Eier, Mehl, Zucker, Milch usw. in einen Topf zu werfen, es ist auch nicht damit getan, alles sorgsam zu verrühren: Ein Kuchen entsteht erst im Backofen unter Hitze-Einwirkung.
    Hier verschmelzen die einzelnen Bestandteile zu einer neuen Einheit, es entsteht ein Kuchen. Dieser Kuchen ist etwas völlig Neues, er ist keine Mischung aus den Einzelteilen, er ist eine Art "Legierung”; die Einzelteile sind als Einzelteile verschwunden!
    Auch beim "Backen eines Gutachtens³ brauchen wir etwas dem Backofen entsprechendes: Ich sehe es in unserem Unbewußten. Daher sage ich auch, daß wir ein Gutachten eigentlich nur mit unserem Unbewußten abfassen können. Die Gestalt ist zu komplex, um mit den Möglichkeiten unserer Ratio voll umfaßbar
    zu sein. Einzig unser Unbewußtes ist in der Lage, die vielen
    widersprüchlichen Elemente eines Horoskops zu einer Einheit zu verschmelzen. Zumindest muß unser Unbewußtes uns helfen!
    Wir müssen versuchen, uns nicht nur in die Wesensstruktur, die wir erfassen wollen, hineinzudenken, sondern auch in sie hineinzufühlen. Wir müssen versuchen, innerlich Kontakt aufzunehmen mit der Struktur, indem wir sie in
    uns nachbilden, indem wir ansatzweise versuchen, in die Haut des
    Betreffenden zu schlüpfen, die Welt mit seinen Augen zu sehen, seine Ängste und seine Freuden zu teilen. Dies können wir nicht "rational”, dies können
    wir nur "intuitiv”, "emotional” oder wie man es nennen will.


    Wer jetzt Appetit bekommen hat, die Erkenntnisse der
    'Kreativitätsforschung', die dieser Herangehensweise an die Erstellung eines astrologischen Gutachtens zugrunde liegen, zu nutzen, muss den
    entsprechenden Abschnitt des Fernstudiums von Dr. Peter Niehenke erwerben
    (auch via Internet möglich - Ausbildungsabschnitt 5 bestellen):”
    http://www.astrologiezentrum.de/ausbildung9.html
                                           Dr.Peter Niehenke, Freiburg


     
  •  


  •  
  •  

 

[Astrologie des Hohenstein] [Philosophie] [Der Astrologe] [Links] [Literatur] [Artikel] [Harmonics] [Tarot] [Schubert-Weller] [Horoskop] [Stariq.com] [CpD] [Max Prantl]