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Harmonics

 

Ich danke ganz herzlich dem Astrodienst in Zürich für die Möglichkeit, den nachfolgenden Text in meine Site “Astrologie des Hohenstein” zu integrieren. Im Original befindet sich die Ausarbeitung auf

           http://www.astro.com/astrologie/in_harmon_g.htm
Harmonics

 

Harmonische Horoskope kann man sich als Schwingungszyklen oder Obertöne vorstellen, die in jedem Horoskop enthalten sind. Dabei wird der Tierkreis als Grundschwingung mit der Zahl 1 aufgefaßt, der ganze Kreis von 360 Grad entspricht somit einer einzigen Schwingung. Schickt man nun, bildlich gesprochen, schnellere Schwingungen (mit höheren Frequenzen als 1) durch den Kreis, so kann man untersuchen, welche Planeten eines Horoskops "auf" diesen Schwingungen zu liegen kommen. So wären z.B. bei der Schwingungszahl 4 alle jene Planeten "betroffen", die im Radixhoroskop ein Quadrat zueinander bilden - diese Planeten stehen im 4. Harmonischen Horoskop in Konjunktion.

Etwas vereinfacht kann man sagen, daß die Harmonics eine

wesentlich erweiterte und verfeinerte Aspektlehre darstellen, wobei die verwendeten "Schwingungszahlen" eine wesentliche Rolle spielen.

 

Zahlensymbolik der Aspekte

 

Die Aspekte werden als mehr oder weniger günstige, ungünstige oder ambivalente Beziehungen der Planeten untereinander gedeutet. Zwar hängt die Deutung auch von der Natur der beteiligten Planeten ab, doch stützt sie sich - bewußt oder unbewußt - in großem Maß auf die traditionelle Symbolik der Zahlen 1, 2, 3 und 4: Teilt man den ganzen Kreis, also 360°, durch 1, so erhält man wieder 360° bzw. 0° - den vorgeschriebenen Abstand einer Konjunktion; bei der Teilung durch 2 ergibt sich 180°, der Abstand einer Opposition; teilt man durch 3, so erhält man 120°, den Abstand eines Trigons, und teilt man durch 4, so ergibt sich der Abstand eines Quadrats, nämlich 90°.

Die 1 symbolisiert die Ureinheit alles Bestehenden, und so erwartet man, daß zwei Planeten in Konjunktion eine Einheit miteinander bilden. Die 2 symbolisiert die Aufspaltung dieser Ureinheit z.B. in männlich und weiblich, oben und unten, yin und yang usw., so daß zwischen zwei Planeten in Opposition sozusagen eine Gegensatzspannung besteht (bis hierher liegt die Deutung dieser Abstände auch ohne jede Zahlensymbolik klar auf der Hand). Die 3 symbolisiert die kreative, auf eine Lösung hin drängende Bewegung, die aus allen Gegensätzen entstehen kann - These und Antithese führen schließlich zur Synthese; dem entsprechend geht man davon aus, daß zwei Planeten in einem Abstand von 120° zueinander sich gegenseitig fördern und ergänzen, zumal dieser Abstand es fast immer mit sich bringt, daß die betreffenden Planeten in Zeichen des gleichen Elementes stehen (z.B. Mars in 10° Widder bildet ein Trigon mit Jupiter in 11° Löwe, wobei sich beide Planeten in einem feurigen Zeichen befinden). Die 4 schließlich symbolisiert die manifeste Materie, das ausgereifte Gesetz, die gewordene Einheit, die sich nicht mehr bewegt; der entsprechende Aspekt, das Quadrat, gilt dem entsprechend generell als problematisch, als gegenseitige Sperrung der beteiligten Planetenkräfte.

 

Feinaspekte und Harmonics

 

Nach dem bisher Gesagten ist es naheliegend, auch nach Kreisteilungen durch andere Zahlen zu fragen, z.B. durch 5, 6, 7, 8, 9 und 10. Bis hierher reichen auch die sogenannten Feinaspekte, die von vielen Astrologen und Astrologinnen zur Deutung eines Horoskops herangezogen werden - Quintil, Sextil (wird meist als Hauptaspekt verstanden), Septil, Oktil, Nonil und Dezil. Allerdings können diese Aspekte (und ihre Vielfachen) nur noch rechnerisch ermittelt werden, und auch ihre Deutung ist bei weitem nicht so klar definiert wie die der Hauptaspekte.

Hier bietet nun die Technik der harmonischen Horoskope eine Lösungsmöglichkeit: Anstatt ein Horoskop nach immer kleiner werdenden Feinaspekten abzusuchen, konzentriert man sich auf jeweils eine bestimmte Kreisteilung, die zwar frei wählbar ist (z.B. Teilung durch 9, durch 57 oder durch 228), über deren symbolische Bedeutung man sich jedoch im klaren sein sollte. Multipliziert man die Planetenpositionen eines Horoskops mit der gewählten Zahl, z.B. 36, und trägt die so errechneten Planetenpositionen wieder im Tierkreis ein, so erhält man das 36. Harmonic, eine Art "Hilfshoroskop", das dann als Grundlage verschiedener Betrachtungen dienen kann.

 

Anwendung der Harmonics

 

Zunächst erkennt man sofort, welche Planeten im Radixhoroskop den entsprechenden Abstand zueinander (für den Beispielfall des 36. Harmonic sind dies 360° : 36, also 10°) einnehmen, da diese Planeten im 36. Harmonic eine Konjunktion bilden. Ferner könnte man beispielsweise davon ausgehen, daß die Zahl 36 symbolisch für die Fähigkeit zu detaillierten Problemlösungen einsteht: 36 = (2 x 2) x (3 x 3), sozusagen eine potenzierte Form eines Gegensatzes und dessen Auflösung. Dann würde das 36. Harmonic Aufschluß darüber geben, wie der betreffende Mensch sich mit entsprechenden Aufgaben auseinandersetzt und welchen Schwierigkeiten er dabei begegnet. Innerhalb des 36. Harmonic können wiederum Hauptaspekte eingetragen werden, man kann die Beziehungen zum Radixhoroskop untersuchen und auch Betrachtungen zu Transiten über die Harmonic-Positionen anstellen. Schließlich können aus dem 36. Harmonic auch Aussagen über das 36. Lebensjahr eines Menschen abgeleitet werden, da ein Mensch dieses Alters die Sonne zum 36. Mal umrundet und deshalb besonders sensibel für diese Schwingungszahl ist.

Eine wesentliche Schwierigkeit bei der Arbeit mit harmonischen Horoskopen besteht darin, zu bestimmen, welches Harmonic sich für welche Fragestellung eignet bzw. welche Symbolik den verschiedenen Zahlen beizulegen ist. In der Praxis behilft man sich gemeinhin damit, die Zahlen auf Vielfache solcher Zahlen zu reduzieren, deren Symbolik bekannt ist und als gesichert gelten darf - siehe obiges Beispiel; auch die Bildung von Quersummen und andere mathematische und numerologische Operationen werden gern benutzt, um zu Aussagen über die Qualitäten höherer Zahlenwerte zu gelangen. Theoretisch lassen sich zu jedem Radixhoroskop beliebig viele harmonische Horoskope berechnen, doch gerade diese Beliebigkeit gilt es zu vermeiden. Damit steht man aber am Scheideweg zwischen dem Rückgriff auf eine ungewisse Zahlenmystik oder umfangreichen vergleichenden Untersuchungen, die eine systematische Auswertung erfordern.

 

 

Literatur

 

John M. Addey, Harmonics in Astrology, Fowler & Co. Das maßgebliche Werk zu diesem Thema, mit ausführlichen Hinweisen zu Berechnung, Deutung und Anwendungsmöglichkeiten der Harmonics; bis heute nur in Englisch erhältlich.

Michael Harding u. Charles Harvey, Die Feinanalyse des Horoskops, Astrodata. Die Einführung in die Harmonics (Teil 2 des Buches) ist gut verständlich, mit vielen Beispielen und Zeichnungen, und bietet alle zur praktischen Anwendung nötigen Voraussetzungen.

 

Copyright © 2003 ASTRODIENST AG 

1999 erschien die »Divina Commedia Astrologica«, das Alterswerk von Dr. Hans-Jörg Walter. Dieses Buch stellt auch die astrologische Technik der Harmonics vor.

 

 

Ich danke ganz herzlich für den nachfolgenden Text Bernhard Rindgen.

Ein ausführlicher Artikel findet sich demnächst hier:

:      http://www.vdhb.de/Divina_Commedia_Astrologica/divina_commedia_astrologica.html
 

Bernhard Rindgen: Über Harmonics

 

1. Die Technik der Harmonics

 

Harmonics sind im deutschen Sprachraum im Grunde erst durch das 1992 auf deutsch erschienene Buch von Michael Harding und Charles Harvey Die Feinanalyse des Horoskops bekannt geworden. Im englischen Sprachraum hat John M. Addey den Harmonic-Gedanken verbreitet, durch seine 1976 publizierten Harmonics in Astrology.

Ich möchte hier die beiden miteinander zusammenhängenden Fragen stellen und beantworten: Was sind Harmonics technisch gesehen und was für Dimensionen eröffnen sie psychologisch? Nur wenn sie tatsächlich neue Dimensionen für die Deutung eines Horoskops und für das Verständnis der menschlichen Seele aufschließen, macht es Sinn, sie praktisch zu verwenden - und sie müssen sich in der astrologischen Praxis bewähren, auf der Grundlage gesicherter Deutungsansätze oder Decodierungen für einzelne Harmonics. Letzteres haben Harding und Harvey in ihrem erwähnten Buch versucht, doch weit über diese Versuche hinausgegangen ist Hans-Jörg Walter in seinen jahrzehntelangen Forschungen, deren Resümee er 1999 in der Divina Commedia Astrologica veröffentlichte, nachdem er bereits 1987 in der Meridian über erste Ergebnisse mit der 19. und 29. Harmonic berichtet hatte.

Hans-Jörg Walter schreibt: "Das harmonische Horoskop ist kein Ersatz für das Radix, es ist keine Alternative zum Radix. Es ist nichts anderes als das Radixhoroskop selbst... aufgezeichnet auf eine Weise, die gewisse Aspekte leichter erkennbar macht." Handelt es sich demnach bei Harmonics "nur" um neue Aspekte?

Das normale Radixhoroskop ist das "H 1": ein Kreis geteilt durch 12 Zeichen bzw. 360 Grade und darauf sind die Faktoren aufgereiht, bilden auf dieser Matrix ihre Aspekte und Halbsummen. Das "H 3" ist: dieser Kreis geteilt durch drei und jedes dieser drei Teilstücke als ein neuer vollständiger Kreis mit je 12 Zeichen/360 Graden betrachtet; ferner diese drei H-3-Tierkreise "aufeinandergelegt". Am besten mag dies ein Beispiel verdeutlichen: Im H 1 - also dem normalen Grundhoroskop - stehe die Sonne auf 10° Widder, Merkur stehe 20° von ihr entfernt auf 0° Stier. Im H 3 gelangt diese Sonne nun auf die Position 0° Stier, Merkur auf 0° Krebs. Damit bilden beide ein Sextil - einen Aspekt, den sie im H 1 niemals bilden könnten! Jeder 20°-Abstand im H 1 wird im H 3 zu einem Sextil, insofern stellen Harmonics eine "neuentdeckte" Gruppe von Aspekten dar - und doch sind sie mehr als das. Denn im klassischen H 1 ist ein 20°-Abstand kein Aspekt und kann nicht gedeutet werden. Erst vor dem Hintergrund eines harmonischen Horoskops H 3 wird dieser Aspekt deutbar, insofern er sich hier in ein Sextil "verwandelt". Die Idee der Harmonics "überflutet" das Grundhoroskop also nicht undifferenziert mit einer Vielzahl neuer Aspekte, die plötzlich Bedeutsamkeit erlangen sollen, sondern fügt ihm eine neue Dimension hinzu und vor dem Hintergrund dieser neuen Dimension erlangen diverse neue Winkelabstände eine astrologische Bedeutung, weil sie eine psychologische haben. Natürlich sind sie im Grundhoroskop "versteckt" enthalten, sie verdeutlichen, was bereits die Halbsummenidee impliziert: Alles ist mit allem verbunden - bei der Vielzahl der Harmonics gelangen letztlich alle Planeten in Aspektbeziehungen zueinander, unter der "Farbe" dieser oder jener Harmonic. Die Harmonic-Idee realisiert damit ein vollständig ganzheitliches Bild des Horoskops, eine Ganzheit, die jedoch äußerst differenziert ist.

Ein Einwand gegen Harmonics lautet: Sie seien mathematische Konstrukte und schon allein deswegen zu verwerfen. Dieser Einwand übersieht, daß auch der Tierkreis, mit dem alle Astrologen arbeiten, ein mathematisches Konstrukt ist - ohne Beziehung zum kosmischen Zodiak der Sternbilder - und daß er sich dennoch tagtäglich bewährt, eben weil seine Mathematik eine "Mathematik der Seele" ist. Auch Aspekte und Halbsummen sind "mathematische Konstrukte". Was in der Physik nicht anstößig erscheint - warum sollte es in der astrologischen Psychologie irritieren?

Aspektbeziehungen innerhalb der H 1 verändern sich in einer anderen Harmonic. Steht etwa die Venus im H 1 auf 10° Stier, so bildet sie einen Halbsextil-Aspekt zur H-1-Sonne auf 10° Widder. Im H 3 nun steht die Venus auf 0° Löwe und bildet ein Quadrat zur H-3-Sonne auf 0° Stier. Die Winkelbeziehung im H 3 hat einen anderen Charakter als die im H 1, aber sie hat diesen anderen Charakter nur, erst vor dem Hintergrund der "neuen Dimension H 3".

Die drei, durch Teilung des H-1-Kreises entstandenen Tierkreise in der H 3 sind bei der astrologischen Betrachtung "aufeinanderzulegen", sie sind in der dritten Harmonic in der Art einer zusammengepreßten Spirale miteinander verbunden: Man kann sich vorstellen, der Tierkreis würde am 0°-Widder-Punkt aufgeschnitten und dreifach gewunden, und diese drei Windungen der Spirale stehen untereinander in vollständiger Konkordanz; 0° Widder, 0° Löwe und 0° Schütze liegen in der H 3 direkt "aufeinander" - wie übrigens auch 22° Zwillinge, 22° Waage und 22° Wassermann. Bei anderen Harmonics liegen hier natürlich sehr unterschiedliche Gradzahlen "aufeinander".

Die Tradition indischer Astrologie berücksichtigt vor allem die 9. Harmonic, die sie "Navamsa" nennt. Ein Tierkreis in der H 9 erstreckt sich über einen Bereich von nur 40° Breite in der H 1 (360°:9 = 40°), die neun Widderpunkte in der H 9 sind: 0° Widder, 10° Stier, 20° Zwillinge, 0° Löwe usw. Innerhalb dieser Mini-Tierkreise hat ein Zeichen nur ein Neuntel der Größe, die es im H 1 hat, es ist nur 3°20' groß. Schon hier wird klar, daß bei der Berechnung von Harmonics die Exaktheit der Positionsangabe für einen Planeten die allergrößte Bedeutung hat! Ist etwa die Position der Sonne nur auf ein Grad genau bekannt (bei bekanntem Geburtstag, aber fehlender Geburtszeit), so können zwar im H 1 noch Aspekte erkannt und gedeutet werden - im H 9 aber potenziert sich die Ungenauigkeit auf das neunfache, d.h. eine solche ungenaue Sonne kann im H 9 nicht mehr genauer als mit ± 41/2° geortet werden. Vom Mond ganz zu schweigen! Und das wird bei höherzahligen Harmonics noch viel extremer. Daher ist die Kenntnis der möglichst exakten Geburtszeit eine unabdingbare Voraussetzung der harmonikalen Betrachtung, ebenso wie möglichst exakte Software.

Was mit der Drei oder der Neun möglich ist, ist im Prinzip mit jeder Zahl möglich. Der Tierkreis läßt sich z.B. auch durch 19 teilen, jeder dadurch entstandene Mini-Tierkreis ist dann 360/19 = 18,95° groß und ein im H 1 noch aspektloser, nicht deutbarer Abstand von 19°, 38° oder 1701/2° wird im H 19 immer zu einer hochbedeutsamen Konjunktion, wie man leicht nachrechnen kann. Jedenfalls können sich unaspektierte Planeten des H 1 zu Aspektfigurinen konstellieren, die völlig neue Aussagen erlauben, Aussagen aber "unter der Farbe" der jeweiligen Harmonic - und die bliebe noch zu entdecken.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob es sinnvoll ist, jede mögliche Kreisteilung zu betrachten, ferner, ob es nicht Verwandtschaften gibt von einzelnen Harmonics, quasi "Familien", wodurch sich die Anzahl der interessanten Harmonics reduzierte wegen "familiärer" Ähnlichkeiten.

Wegen ihres Wurzelcharakters haben Primzahlen - also nicht teilbare ganze Zahlen wie z.B. die 19 oder die 29 - Hans-Jörg Walters Aufmerksamkeit besonders erregt. Wenn jedes harmonische Horoskop eine neue Dimension eröffnet, so ist bei Primzahlen-Harmonics am ehesten zu erwarten, daß es sich hier um eine völlig neuartige tiefenpsychologische Dimension handelt, die vom gewohnten Blickwinkel der H 1 aus nicht (oder nicht so leicht) erfaßt werden kann. Jede Primzahl kann als "Zahlen-Original" nur mit ihren eigenen Vielfachen zusammenhängen, also die H 19 nur mit der H 38, H 57 usw. Dagegen lassen sich etwa die H 13 und die H 19 mathematisch nicht zusammenbringen wie etwa die H 3 und die H 9, somit auch nicht psychologisch. (Theoretisch ginge das höchstens durch deren Multiplikation miteinander, also durch eine H 247, doch eine solche hochzahlige Harmonic ist praktisch ohne Bedeutung. Walter sieht mit der H 181 eine "chaotische Grenze" von sich potenzierenden Ungenauigkeiten erreicht, jenseits derer nicht mehr sinnvoll astrologisch gearbeitet werden kann.) Die archetypische Dimension, die die 13. Harmonic aufschließt, dürfte eine gänzlich andere sein als die, die von der 19. Harmonic aufgeschlossen wird. Beiden Harmonics gemeinsam - allen Harmonics gemeinsam - ist aber die Dimension der H 1, der "Sonnen-Harmonic", des gewöhnlichen Radixhoroskops, denn die Eins ist der gemeinsame Teiler aller Zahlen. Die Sonne steht wirklich im Zentrum allen Seins.

Der Zusammenhang von 3., 6., 9., 12. usw. Harmonic ist offensichtlich: eine "trigonale Familie". Und die 4., 8. und 12. Harmonic bilden eine "quadratische Familie". Und die H 12 muß, nach dieser Betrachtungsweise, eine synthetische Harmonic sein, die die trigonale und die quadratische "Linie" miteinander vereint. Zumindest mathematisch ist es also einfach, "Familien" zu bilden. Doch machen diese auch astrologisch und psychologisch einen Sinn? Hier hilft nur konkrete Forschung.

Unter "Deutung einer Harmonic" ist in der Harmonic-Astrologie zu verstehen: Zuerst einmal zu erkennen, ob eine Harmonic stark oder schwach ist, d.h. ob sich auf der Matrix ihres Mini-Tierkreises starke und intensive Aspektfigurinen ergeben oder nicht - und zweitens zu wissen, was eigentlich das besondere Thema, der spezifische Code für diese Harmonic ist. Wenn ich sehe, daß in einer bestimmten Harmonic außergewöhnliche Planetenverbindungen in Aspektfigurinen und Halbsummen vorkommen, so heißt das noch lange nicht, daß ich als Astrologe einen neuen Zugang zum Unterbewußtsein, zu den tiefen seelischen Motiven des Nativen gewonnen habe - denn ich weiß zwar nun, daß diese Harmonic bedeutsam ist und daß der durch diese Harmonic dargestellte Archetyp eine wichtige Rolle im Leben des Nativen spielen dürfte - doch ich weiß noch nicht, wie der spezifische Code für diese Harmonic lautet. Somit komme ich vorerst nicht weiter, ich kann die mathematisch ersichtliche Bedeutsamkeit der Harmonic noch nicht "psychologisch lesen", wie das ja die Methode der Astrologie überhaupt ist.

Daß die tiefenpsychologischen Bedeutungen einzelner Harmonics noch nicht zum allgemeinen Wissensschatz der Astrologie gehörten, ist wohl der eigentliche Grund für die fortdauernde Ignorierung harmonischer Horoskope durch astrologische Theoretiker und Praktiker.

 

2. Die ersten 12 Harmonics

 

Walter ordnet die Hauptplaneten in sinnvoller Abfolge den bekannten Aspekten zu. Dabei ist seine Grundidee, daß ein planetares Prinzip wie z.B. das der Venus einen Doppelcharakter hat - so wie das Licht sowohl Wellen- als auch Teilchencharakter besitzt, wie uns die Physiker versichern. Der Planet Venus selbst ist demnach der "Teilchencharakter des Prinzips Venus", der Trigon-Aspekt hingegen dessen "Wellencharakter". Bei der Zuordnung von "Teilchen" (Planet) und "Welle" (Aspekt) orientiert sich Walter an der Abfolge der heliozentrischen Sonnenabstände der "Teilchen".

 Die Sonne ordnet er der Konjunktion oder der Teilung des Tierkreises durch 1 zu, also der H 1 selbst (das gewohnte Grundhoroskop);

 den ersten Planeten Merkur ordnet er der Opposition zu oder der 2. Harmonic (Teilung des Tierkreises durch 2);

 Venus wird dem Trigon bzw. der H 3 zugeordnet;

 der Mond dem Quadrat oder der H 4 (heliozentrisch Stellvertreter der Erde "Terra");

 Mars dem Quintil und Biquintil (72° und 144°) oder der H 5;

 Jupiter dem Sextil (H 6);

 Saturn dem Septil und seinen Vielfachen (H 7) - dies ist allerdings ein wegen seiner ungeraden Gradzahl (51,43°) normalerweise nicht beachteter Aspekt, doch gerade die H 7 erweist sich als sehr wichtig und macht diesen "unanschaulichen" Aspekt auch deutlich sichtbar;

 Uranus dem Oktil, d.h. dem Halbquadrat und Anderthalbquadrat (45° x 8 = 360°; H 8);

 Neptun dem Nonil (40°, 80°, 160°; H 9);

 Pluto dem Dezil und Tridezil (36° und 108°; H 10);

 und abschließend zwei unregelmäßig scheinende Zuordnungen: Ceres wird dem 360/11°-Aspekt und seinen Vielfachen zugeordnet (32,73°; H 11) und noch einmal Merkur dem Halbsextil (H 12).

 

Tabelle 1: Planet-Aspekt-Zuordnung

 

 

H

Teilchenfunktion

Wellenfunktion

1

Sonne

Konjunktion (0°)

2

Merkur

Opposition (180°)

3

Venus

Trigon (120°)

4

Mond

Quadrat (90°)

5

Mars

Quintil (72°, 144°)

6

Jupiter

Sextil (60°)

7

Saturn

Septil (51°26', Vielfache davon)

8

Uranus

Oktil (45°, 135°)

9

Neptun

Nonil (40°, 80°, 160°)

10

Pluto

Decil (36°, 108°)

11

Ceres

Undecil (32°43', Vielfache davon)

12

Merkur

Dodecil (30°, 150°)

 

Es lassen sich diese Zuordnungen astrologisch leicht auf ihre Plausibilität hin überprüfen, denn der psychologische Charakter der genannten Aspekte ist allgemein bekannt und ebenso der der Hauptplaneten. Hier muß wohl jeder Astrologe seine Erfahrungen machen: Was mich betrifft, so hat sich Walters assoziative Verbindung von Aspekt und Planet als ein Saatgedanke erwiesen, der das Verständnis von Aspekt wie von Planet intuitiv erweitert und keinesfalls dogmatisch begrenzt. Es ist auch kein System der Beliebigkeit. Der kritische Merkur und die Opposition: Das leuchtet ein! Die harmonische Venus und das Trigon: Auch das passend! Der Mond und das Quadrat allerdings - wieso das? Auch hier jedoch bestätigt sich, bei tieferer Reflexion, der Zusammenhang: Das Quadrat läßt den Nativen "in der Form und in der Zeit leiden", um etwas, was nicht bewußt ist oder womit nicht bewußt umgegangen wird, "zu Bewußtsein zu bringen". Der Mond steht für das Unbewußte, für die Form und auch für Zeit, er ist der älteste Zeitgeber der Menschheit. - Merkur und Mond sind im mentalen Bereich miteinander verbunden, so wie durch die 4. und 2. Harmonic, wo ja der "90°-Mond" im "180°-Merkur" quasi "versteckt" enthalten ist: Der Mond repräsentiert in der esoterischen Psychologie das niedere, ichgebundene Denken, das eine Unterfunktion der abstrakten Denkfähigkeit Merkurs darstellt.

Es zeigt sich, daß auch Venus, Jupiter und Neptun eine Reihe bilden bei ihren Aspektzuordnungen, denn das neptunische Nonil (40°) ist im venusischen Trigon "versteckt" (3 x 40°), ebenso das joviale Sextil (2 x 60°). Dem entspricht, daß Neptun, Jupiter und Venus psychologisch in einem Oktavenverhältnis zueinander stehen (Oskar Adler hat dies in seinem Testament der Astrologie ausgeführt).

Hans-Jörg Walter und ich haben Tabellen erarbeitet, die für alle Harmonics einige Schlüsselbegriffe anführen. Diese können für die astrologische Praxis Saatgedanken sein, denen der forschende Geist nachfolgen kann, geleitet von den beiden Zugtieren psychologische Intuition und astrologische Anwendung, wie der Wagenlenker in der bekannten Tarotkarte.

 

 

Tabelle 2: Basis-Harmonics (innere Schale)

 

H

Schlüsselwort

1

Geist, Schwingung, Ganzheit

2

Information, Trennung, Selektion

3

Form, Sinne, Liebe

4

Materie, Reproduktion, Trieb

5

Kraft, Bewegung, Aggression

6

Ordnung, Hierarchie, Gesellschaft

7

Zeit, Hemmung, Struktur

8

Energie, Mutation, Sublimation

9

passives Chaos, Auflösung, Illusion

10

aktives Chaos, Katastrophe, Schöpfung

11

Einsatz, "Heros", Ekstase

12

Zyklus, Wechsel, Austausch

 

Die Walterschen Planet-Aspekt-Zuordnungen für die ersten zwölf Harmonics bzw. Aspektgruppen verdienen es, immer wieder reflektiert zu werden, denn sie sind von vielfältiger innerer mathematischer Beziehung und jede mathematische Beziehung repräsentiert - das ist pure Astrologie - psychologischen Zusammenhang. Dieser ist sowohl persönlich erfahrbar als er auch in der astrologischen Praxis sinnvolle Deutungen aufzuschließen vermag. Es sei nur erwähnt, daß durch dieses Zuordnungssystem auch Mars und seine höhere Oktave Pluto in ein ganz selbstverständliches Verhältnis zueinander gebracht werden (siehe oben den 36°-Winkel und seine Vielfache), das mit bisheriger Astrologie völlig konform geht.

Die Zuordnung der Ceres zur Elf ist allerdings diskussionswürdig. Wie kommt Walter auf diese Zuordnung? Es ist einfach ein Ergebnis von Intuition und Forschung. Jenseits von Pluto gibt es keine klassischen Großplaneten mehr, insofern wäre für eine H 11 erstmal "kein Teilchen mehr vorhanden". Doch Astrologie ist nicht schematisch und steht vor allem immer in sinnvoller Verbindung mit mythologischen Zusammenhängen (die psychologische sind). Von solchen Zusammenhängen her ist die Fortführung der Reihung Sonne bis Pluto durch einen intrajovialen Kleinplaneten keineswegs willkürlich: Die Mythologie der Demeter-Ceres steht, was hier nicht ausgeführt werden kann, in engster Verbindung mit der Mythologie des Hades-Pluto - und Pluto als Herr der Unterwelt der Toten findet sehr stimmig seine Ergänzung durch Ceres als Herrin der Erdenwelt der Lebenden. (Das wurde von Dieter Koch in seinem Beitrag im Januarheft 2001 der Meridian deutlich gemacht.) Jedenfalls hat Walter für die Harmonics der 11er-Reihe immer wieder Beispiele von "ceresisch geprägten" Horoskopen gefunden, also von Menschen, die den "heroischen" und orgiastischen Charakter der Ceres in besonders prägnanter Weise zum Ausdruck brachten - weil sie eben eine sehr starke H 11 haben. Und Vielfache der H 11 bestätigen dies, vor allem die H 11 x 11 = H 121. Gerade bei letzterer Harmonic potenzieren sich die positiven wie die negativen Seiten der ceresischen Funktion in der Psyche so sehr, daß sich unter Menschen mit betonter H 121 sowohl begnadete Mystiker finden als auch abgründig raserische "Berserker des Tötungsrausches" (Lama Anagarika Govinda - Fritz Haarmann). Diese von Walter immer wieder, bei jeder Harmonic gefundene zweiseitige Natur: das entfaltete Gute wie das ausgeprägteste Böse, war auch der Grund dafür, warum er sein Kompendium der Harmonic-Decodierungen nach der Göttlichen Komödie Dantes benannte, einer Reise durch die tiefsten Höllen bis hinauf zu den höchsten Himmeln.

Die Zuordnung der H 12 oder des Halbsextilaspektes zu Merkur scheint auf den ersten Blick inkonsequent, denn Merkur ist ja bereits sinnvoll mit der H 2 und der Opposition assoziiert. Walter nennt den H-12-Merkur den "quecksilbrigen", was er im Sinne der alchemistischen Hermetik verstanden wissen will. Merkur ist eben nicht nur der kluge Denker, der Kaufmann und Schriftsteller, er ist auch der geheimnisvolle Einweihende, der die Gegensätze vereint. Hier zeigt sich das magische alter ego des ansonsten rationalen Merkur. (Ein astrologisches Verständnis hiervon ist noch kaum gewachsen.) Mathematisch wird das durch die Zwölf verdeutlicht: Sie vereint den trigonalen mit dem quadratischen Strang, die Drei (Venus, Jupiter, Neptun) mit der Vier (Merkur, Mond, Uranus). Von den klassischen Hauptplaneten "entziehen" sich lediglich Saturn sowie Mars und Pluto dieser Vereinigung - und in diesem Zusammenhang ist es interessant zu bemerken, daß Saturn in den Geheimlehren, wie z.B. der Kabbala, als "Hüter der Schwelle" gilt, der sich dem Streben des Adepten widersetzt, während Mars und Pluto als "unheilige Planeten" gelten, insofern sie für "noch zu heiligende" Energien stehen.

 

3. Die Prim-Harmonics (H 13, 17, 19 usw. bis 181)

 

Die Decodierungen für die Prim-Harmonics leistete Walter durch intensive, mehrjährige Forschung. Das Verfahren sei hier angedeutet, wobei natürlich die intuitive Komponente dabei nicht erschöpfend gezeigt werden kann: Er untersuchte also für ein prägnantes Schicksal - eines, das von einigen auffälligen Motiven beherrscht war oder noch ist - die Harmonics, die sich aus dem Horoskop ableiten. Die markanten unter diesen Harmonics behielt er im Gedächtnis, diese "legten schon mal eine Spur". Nachdem er einigen dieser "Spuren" nachgegangen war, stellte sich schließlich das Ergebnis ein, daß bei allen Untersuchten mit ähnlichem Lebensmotiv eine bestimmte Harmonic "hervorsticht". Gleichzeitig konturierte sich dadurch der betreffende Archetyp deutlicher. So fand er etwa, daß es stets die 19. Harmonic ist, die bei Menschen, für die Sexualität und Spiel eine besondere Relevanz haben, durch Planetenballungen und intensive Aspekte und Halbsummen betont ist. Die Erkenntnis, daß das Quadrat 19 x 19 fast genau die Zahl der Grade im Ursymbol Tierkreis ergibt, gab dieser Decodierung sozusagen noch den "letzten Schliff": Eros (Libido, Sexualität) ist die Wurzel allen Lebens, welches sich astrologisch innerhalb der 360 Grade des Tierkreises "abspielt". - Die Bestätigung einer Decodierung muß nach ihrer Findung natürlich durch weitere zutreffende Beispiele erfolgen, die zugleich die Bedeutungsbreite des betreffenden Archetyps auffächern können.

Wichtig: "Harmonics bestätigen und differenzieren stets Tendenzen - und nur solche Tendenzen -, die auch im H 1 dargestellt... sind." (Walter) Eine Harmonic kann nur wirksam werden, "wenn eine Konstellation im H 1 sie bestätigt. Umgekehrt wird eine Konstellation im H 1 nie besonders stark sein können, wenn ein Defizit vorliegt für eine bestätigende höhere Harmonic. Eine Harmonic verleiht etwa einer Halbsumme in H 1 erst Kontur und Profil." Hieraus ergeben sich aufschlußreiche Folgerungen, etwa für den bekannten Einwand gegen die Astrologie, daß Personen mit fast gleichem Horoskop so unterschiedliche Verhaltensweisen und Veranlagungen zeigen können - ihr Horoskop ist eben nicht "fast gleich"!

Wenden wir uns nun den konkreten Entschlüsselungen der einzelnen Prim-Harmonics zu.

Die 11. Harmonic wurde bereits erwähnt. Heroischer Einsatz und bacchantisch-dionysische Ekstase sind die hauptsächlichen "Farben" dieser Harmonic. Beispiele: Hans Scholl und Oscar Romero (Typ politischer Heros), Albert Schweitzer (ethischer Heros), Vivekananda (spiritueller Heros). Ein "falscher Heros", der die Menschen zu berserkerhaftem Tötungsrausch hinriß, war Joseph Goebbels. Diese Decodierung läßt sich, wie gesagt, nicht nur beim "Wellencharakter", sondern auch beim "Teilchencharakter", dem Asteroiden Ceres zeigen. In meinem Artikel in der Meridian vom Januar 2001 habe ich dies ausgeführt.

In der Reihe der 11er-Harmonics sind die marsische H 55 (= 5 x 11) und die saturnische H 77 (= 7 x 11) erwähnenswert: Die 55. Harmonic fand Walter immer wieder bei Menschen, die Rauschdrogen konsumieren - es ist dies eine in gewissem Sinne gewalttätige (Mars) Art, die Pforten der Wahrnehmung zu öffnen, um Ekstase zu erfahren. Die 77. Harmonic hingegen verbindet die bacchantische Ceres mit dem großen Strukturgeber Saturn und eine vorzügliche Kunstform, die die Ekstase des Körpers in eine strenge Form einbindet, ist der Tanz. Tänzer zeichnen sich harmonikal durch eine prägnante H 77 aus.

Bei den Prim-Harmonics > 11 finden sich allerdings keine bekannten Teilchenentsprechungen. Ob es solche unter den bislang noch nicht näher untersuchten Asteroiden gibt, wissen weder Walter noch ich.

Die Decodierung der 13. Harmonic faßt Walter mit den Worten "Geburt, Absonderung, Originalität" zusammen. Bei Nativen mit starker H 13 stößt man immer wieder, in allen Variationen auf Themen wie "Absonderung", "Beschreiten eigener Wege", "Originalität" (bis hin zum Exzentriker). Das "durchaus Eigene", das jeder Mensch hat - so wie jeder eine 13. Harmonic "hat" -, ist bei diesen Nativen in der einen oder anderen Weise betont. Kollektiv manifestiert sich die H 13 etwa in Form von Sekten, die bei ihrer religiösen Suche eigene, vom mainstream abweichende Wege gehen. Die Loslösung von den Traditionen und Wurzeln kann bis zur verantwortungslosen Egomanie gehen - die Beispiele, die Walter eruierte, fächern diesen Archetyp in seiner ganzen Breite auf, zeigen seine lichtesten wie seine schwärzesten Seiten. Existenzphilosophen wie Heidegger und Sartre, die die "Geworfenheit des Menschen" betonten, innovative einzelgängerische Erfinder und Unternehmer wie Benz und Gates, Literaten wie Kafka und Joyce, Künstler wie Dali und Beuys - ihnen allen ist diese ganz besondere "Farbe" der H 13 zu eigen, sie ist der gemeinsame Nenner von Machtmenschen und Aussteigern, und unter dem "Himmel" und der "Hölle" desselben Archetyps finden sich ein Albert Schweitzer und ein Robespierre. Auch die Gründer von "abweichlerischen" Glaubensgemeinschaften und Sekten finden sich hier: Luther, Blavatsky, Steiner, Rajneesh, Hubbard, Malcolm X.

Walter untersuchte auch die Potenzierung der H 13, die H 13 x 13 = 169. Hier fand er denn auch das Prinzip "Absonderung" und "Originalität" in übersteigerter Form, man denke an Komiker wie Karl Valentin; typisch für den "negativen, destruktiven Skalenbereich" dieser Harmonic sind Amokläufer - bei diesen erweist sich die H 169 als eine "tickende Zeitbombe". Der Massenmörder ohne Ansehen der Opfer praktiziert die extremste Absonderung von der ihn umgebenden Welt der Menschen. Die H 169 besitzt auch nicht mehr die Kraft der H 13 zur kollektiven Setzung neuer Normen und Stile, zu Gemeinschaftsgründungen - dafür ist sie zu extrem individualistisch.

Die 17. Harmonic läßt den Menschen nach dem Ursprung suchen, dem er entsprang. In der spirituellen Suche nach dem göttlichen "Urgrund" allen Seins zeigt sich die höchste psychologische Manifestation dieses Archetyps. Aber auch Wissenschaftler, insbesondere Kosmologen, besitzen eine starke H 17. Dem unvoreingenommenen Beobachter bleibt deren unbewußt-spirituelles Motiv kaum verborgen. Mit Menschlich-Allzumenschlichem vermischt ist dieser Archetyp bei Künstlern, die schon immer stark ichbezogene Naturen waren und vielleicht sein müssen: Narzißmus, Eitelkeit, Nabelschau kann hier das Kleid sein, in das sich der Archetyp kleidet, wenn der Ursprung nicht transzendental gesucht wird, sondern die Blickrichtung in der Sphäre des Ichs gefangen bleibt. Ins Positive gewendet werden kann dies wiederum in der autobiographischen Reflexion. Die Verfasser bedeutender autobiographischer Schriften besitzen eine markante 17. Harmonic, so Marcel Proust und Anaïs Nin. Yogananda ("Autobiographie eines Yogi"), Anagarika Govinda ("Der Weg der weißen Wolken") und Taisen Deshimaru ("Autobiographie eines Zen-Mönchs") sind Beispiele, bei denen das autobiographische Moment der H 17 mit ihrem spirituellen Impuls vereint ist.

Die 19. Harmonic wurde bereits erwähnt. Beispiele sind Sigmund Freud, der sexuelle Aufklärer Oswald Kolle, der Gründer des Playboy-Magazins Hugh Hefner, der Pornodarsteller John Holmes und die Verkörperung kollektiver erotischer Phantasien Marilyn Monroe. Ihre H 19 ist sehr eindrücklich.

Ein aufschlußreiches Beispiel ist auch Woody Allen: Die allen seinen Filmen eigene Thematik Sexualhemmung ist aus seiner H 1 nicht ersichtlich - wird aber sofort klar durch die Mars-Saturn-Konjunktion in seiner H 19!

Nicht nur der Geschlechtstrieb, auch der Spieltrieb - beide zweifellos miteinander verwandt - kennzeichnet die H 19. In seinem Spiel-Aspekt gehört Sport ebenfalls zur H 19, insbesondere der Schwimmsport mit seiner starken "nackten" körperlichen Komponente. Die fehlt zwar bei Schachspielern, nicht jedoch ein stark mentalisierter Spieltrieb.

Die 23. Harmonic assoziiert mit Begriffen wie "Risiko, Abenteuer, Schicksal". Walter widmet ihr eine ausführliche Untersuchung, indem er die H 1 und die H 23 von Menschen untersuchte, in deren Leben "Abenteuer" ein ganz wesentliches Motiv, um nicht zu sagen eine Besessenheit war. So bei Jessica Dubroff, einer tödlich verunglückten siebenjährigen (!) Pilotin, oder bei Antoine de Saint-Exupéry, dem Autor des Kleinen Prinz und ebenfalls ein abgestürzter Pilot, oder bei Neil Armstrong, der als erster Mensch den Mond betrat. In dessen H 1 steht der MC in der Halbsumme von Mond und Uranus - das ist die individuelle berufliche Komponente des Abenteuers Mondflug -, in seiner H 23 ist der Mond exakt mit Uranus konjugiert und figuriert ein großes Trigon mit den beiden sozialen Planeten Jupiter und Saturn.

Auf literarischem Gebiet ist eine betonte H 23 bei den Autoren von Abenteuerromanen zu erwarten und herausragende Beispiele dafür sind Jules Verne und Karl May. Im sportlichen Bereich sind es Rennsportler, bei denen häufig zugleich Mars und Pluto in der H 1 bzw. die 5. und 10. Harmonic betont sind. Interessanterweise spielt die 23. Harmonic auch im wirtschaftlichen und politischen Bereich eine Rolle, waghalsige Unternehmer bis hin zu Hasardeuren wie Mussolini und Berlusconi sind typische "23er".

Mit der 29. Harmonic betreten wir einen ganz anderen Seelenbereich, man möchte es fast einen Wechsel von der rechten zur linken Gehirnhälfte nennen oder einen von der männlichen Linie der Archetypen zur weiblichen. Die H 29 hat zwei Gesichter: ein "lunares" und ein "plutonisches"; ihre Codes sind "Tod, Traum, Unbewußtes". Typische Anwärter auf eine starke H 29 sind die Psychoanalytiker, die - lange nach den Kabbalisten - in die unbewußten Tiefen der Seele hinabstiegen, so Freud, Janov, Jung. Die markante H 29 C.G. Jungs macht sofort verständlich, warum der Eigner dieser Harmonic zum Pionier der Erforschung der Archetypen wurde.

Aber auch die Parapsychologen und Okkultisten, die ungeliebten Brüder der Psychologen, weisen sich als "typische 29er" aus, ebenso jene Literaten, die das Okkulte ("Verborgene") und den Tod in ihren Werken thematisieren. Sterbeforscher und -helfer ebenso wie Scharfrichter verweisen mit ihrem Beruf auf denselben archetypischen Seelenbereich. Erwähnt werden soll auch noch eine Decodierung dieser Harmonic, die auf den ersten Blick überraschen mag: Humor. Walter schreibt dazu: "Wie reimt sich dies nun zusammen...? Das scheinbare Paradoxon löst sich auf, wenn man die Zusammengehörigkeit der Figuren des ‚Schnitters Tod' und des ‚Narren'... begreift: Humor als Gegensatz zum ‚absolut humorlosen' Tod, ja als Auflehnung dagegen. Ebenfalls operiert jeder Humor stets mit dem Unbewußten - dem ‚Mondgesicht' der H 29 -, aus dem er den Stoff für seine paradoxen Verknüpfungen bezieht." - Ein solcher Zusammenfall von These und Antithese innerhalb derselben archetypischen Sphäre findet sich auch bei der H 59, die (wie noch gezeigt werden wird) sowohl mit "Gesetz" als auch mit "Gesetzesverachtung" codiert. Für den erfahrenen Psychologen ist eine solche "Hochzeit der Gegensätze" eine bekannte Sache.

Die 31. Harmonic codiert mit "Abstraktion, Rolle, Ghetto". Wo immer im Leben die mentale Bewegung der Abstraktion und Klassifizierung stattfindet, da darf die H 31 assoziiert werden. Mathematiker sind die vorzüglichen Inhaber einer starken 31. Harmonic, beispielhaft angeführt seien hier die Namen Leibniz, Poincare und Ramanujan. Auch Botaniker klassifizieren und kategorisieren, ebenso Soziologen wie Max Weber und Karl Marx. Bei letzterem scheint bereits die "ideologische Seite" der H 31 durch, denn jede Ideologie vergewaltigt die Wirklichkeit, indem sie diese mit in einem Netz von Abstraktionen überzieht, die sich allzuleicht verselbständigen. In esoterischen Schriften fand ich hierfür die Formulierung "Erdrosseln der Wirklichkeit durch das Denken". Andererseits ist eine individuelle und kollektive Lebensgestaltung ohne Kategorisierungen nicht möglich.

Rollenverhalten ist eine Art und Weise, sich in gesellschaftliche Kategorien einzufügen, was bis zur Erstarrung in der Maske des Amtsträgers gehen kann. Oder auf der anderen Seite im Gefallen an einer ausdrücklichen Außenseiterrolle. Das Original oder der Aussteiger ist, wie die Harmonic-Astrologie zeigt, kein eindimensionales Verhaltensmuster, sondern ist mindestens in zwei Facetten zu differenzieren: In der H 13 nabelt sich der Einzelgänger von seiner Herkunft und Umgebung ab, um individuelle Kontur zu gewinnen - in der H 31 findet er sich in die Rolle des Außenseiters ein. Eine weitere Facette bringt Chiron herein, der "kentaurische" Archetyp des Sonderlings (vgl. Walters Untersuchung Der Planet Chiron von 1984).

Die tiefdunkle "Höllensphäre" der hochpolitischen H 31 findet sich dort, wo dieser Archetyp mißbraucht wird und Menschengruppen ausgegrenzt werden, weil sie sich nicht in die zugewiesenen Rollen fügen wollen oder weil man sie als Sündenböcke benötigt. Bei fanatischen Nationalisten spielt diese Harmonic also eine unheilvolle Rolle als Matrix für Haßgefühle und Mordgedanken, genannt seien hier de Gobineau, ein Rassentheoretiker des 19. Jahrhunderts, Hans Grimm ("Volk ohne Raum") und der US-amerikanische Politiker Duke, Rassist und Mitglied der Republikanischen Partei. Im theologischen Bereich finden sich extreme Dogmatiker wie Lefebvre oder Kardinal Ratzinger.

Auch der "Schatten" ist ein Code der H 31. "Ausrastende" Mörder und schizophrene Kriminelle werden bei ihren Taten von ihrem eigenen Schatten eingeholt, ganz so, wie es Stevenson in seinem Roman Dr. Jekyll and Mr. Hyde erzählt hat - auch Stevenson ein "31er". Bei solchen Mördergestalten fand Walter stets neben der H 31 auch noch eine andere Harmonic betont: entweder die ceresische H 11, wo also der "Schatten" mit dem blutroten Tötungsrausch verschmilzt - oder die einzelgängerische H 13, deren Tötungsrausch nicht blutrot gefärbt ist, sondern stahlblau und kalt - oder die sexuelle H 19.

Die 37. Harmonic bezeichnete Walter mir gegenüber einmal als die geheimnisvollste, rätselhafteste. "Verhüllung, Geheimnis, Verwandlung" sind einige ihrer Schlüsselwörter. Im naturwissenschaftlichen Bereich assoziiert hiermit die Chemie, in deren Mittelpunkt die Umwandlung von Elementen steht, organischen wie anorganischen. Walter: "Bei praktisch allen bedeutenden Chemikern und auch Atomphysikern, die sich mit Elementumwandlung beschäftigten, habe ich eine mehr oder weniger markante H 37 gefunden!" Als eine Art "Urgleichung" hierfür könnte das berühmte E = mc² gelten. Aber versucht nicht - auf einem spirituell höheren Niveau - die Alchemie dasselbe? Ist es nicht eine "Alchemie des Herzens", die den Adepten in einen reiferen Menschen verwandeln will, durch Prozesse, die die Alchemisten tief symbolisch beschrieben haben und die in der Neuzeit erstmals C.G. Jung zu entschlüsseln begann? Auch C.G. Jungs H 37 besticht durch markante Aspektverbindungen, insbesondere in der merkurischen Multiplikation als 74. Harmonic = 37 x 2. (An dieser Stelle sei angedeutet, daß die "lupenmäßige" Vergrößerung einer Prim-Harmonic durch ihre Multiplikation mit der Merkur-Zwei oder der Venus-Drei diese deutlicher machen kann, freilich ohne etwas an ihrer Befindlichkeit - stark oder schwach - ändern zu können.)

Bei Transsexuellen wird das Thema "Umwandlung" ganz drastisch gelebt. Sie sind auch ein gutes Beispiel dafür, wie ganz bestimmte Harmonics, wo sie gemeinsam als betonte in Erscheinung treten, eine Lebensthematik deutlich umschreiben können - deutlicher, als dies bloß aus der H 1 ersichtlich ist. So finden sich bei Transsexuellen - oder, wie sie sich selbst nennen, Trans-Identen (von "Identität") - selbstverständlich auch die 19. sexuelle Harmonic betont, ferner die 31. mit ihrer Thematik "Außenseiterrolle", und eben die H 37. In der H 1 fand ich außerdem, neben Mars und Pluto, die Juno und das Mondperigäum Priapus betont: die Juno als Göttin der ehelichen Sexualität - die bei Trans-Identen sozusagen ihre sexuelle Identität durcheinanderbringt - und Priapus als der Gott unserer verdrängten sexuellen Wünsche, hier der gegengeschlechtlichen.

Auch Menschen, die einen plötzlichen Sinneswandel zeigen, leben in solcher Verhaltensweise ihre starke H 37. Religiöse Konvertiten wie Huysmans, Schlier, Papini, Muhammad Ali gehören hierher.

Jeder Verwandlung geht eine Verpuppung voraus, und in dieser Verpuppung stellt ein Mensch ein Geheimnis dar oder trägt eines mit sich herum. So wie Bruno Traven alias Ret Marut alias Otto Feige das Geheimnis seiner Herkunft, welches erst Jahre nach seinem Tod aufgeklärt werden konnte. Oder denken wir an Greta Garbo, die sich in ihrer zweiten Lebenshälfte regelrecht versteckte. Das schreckliche Geheimnis des Todes des Vorgängers des jetzigen Papstes kann hier ebenfalls als Beispiel angeführt werden. Eine ganz offensichtliche Form der Verpuppung ist die Verpackung, sei es die quasi Besessenheit, mit der der Verpackungskünstler Christo alle möglichen Gebäude verhüllt, sei es die "Verpackung" der Haute-Couture-Mode prominenter Modeschöpfer. Es ist überall derselbe Archetyp! Derselbe, der auf biologischer Ebene die Raupe zur Verpuppung treibt, ehe sie sich umwandelt, und derselbe, der die Braut am Tage der Trauung sich weiß "verpuppen" läßt, ehe sie im Schlafzimmer aus ihrer Verpuppung schlüpft, um die Wandlung der Hochzeitsnacht zu erfahren.

 

Um Geheimnis geht es auch bei Spionage, Betrügerei, Fälschungen und überhaupt bei Justizprozessen. Bei Kriminalautoren wie bei Spionen findet sich eine markante H 37, ein schönes Beispiel ist auch der Journalist Wallraff, der sich für seine Reportagen verkleidete, um danach zu enthüllen. Ein Schwerkrimineller, der seine wahre Natur als Triebmörder durch harmloses soziales Auftreten lange zu verbergen wußte, war etwa Manfred Wittmann. Die dunkle Seite der H 37 hat auch das Schlüsselwort "Wolf im Schafspelz".

Die Decodierung der 41. Harmonic lautet "Logik, ratio, Gefühlskälte". Rationalisten, Positivisten und Marxisten, Mathematiker, Programmierer und Finanzfachleute - bei diesen allen findet sich eine starke H 41. Berühmte Namen sind Einstein, Kant, Feuerbach, Skinner, der Computerpionier Turing und der ein Computerweltreich aufbauende Gates. Auch der Astrologe Michel Gauquelin, der die ersten großangelegten statistischen Untersuchungen unternahm mit dem Ziel, einen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit astrologischer Konstellationen zu erbringen, besitzt eine starke H 41.

Das Beispiel Einstein - seine H 41 ist außergewöhnlich, praktisch alle Planeten sind durch Hauptaspekte miteinander verbunden - zeigt die Begrenztheit dieser Harmonic: Er konnte die "irrationalen" Ergebnisse der Quantenphysik nicht annehmen ("Gott würfelt nicht") und verbrachte nach Meinung vieler heutiger Physiker die letzten Jahre seines Lebens mit nutzlosen theoretischen Anstrengungen zu ihrer Widerlegung.

In Dantes Göttlicher Komödie ist der tiefste Kreis der Hölle kein Feuerpfuhl, sondern ein Ort ewiger Kälte. Walter: "Auch beim ‚Durchschreiten' der 41. Harmonic stieß ich auf eine solche Höllenregion, wo sich eine unvorstellbare Gefühlskälte mit dem Verbrechen paart." Die schrecklichen Namen seien hier nur erwähnt: Mengele, Eichmann oder in jüngster Zeit Dutroux.

Die 43. Harmonic decodiert mit: "Zeitpfeil, Pionier, Zukunft" - das sind einige ihrer Schlüsselwörter.

Teilhard de Chardin war ein Theologe und Paläontologe, der die Blickrichtung der 17. ebenso wie die der 43. in hervorragender Weise besaß. Die Evolution des Menschen in der Vergangenheit interessierte ihn ebenso wie dessen spirituelle Zukunft, die er in einer kosmologischen Christologie zu fassen suchte: Vergangenheit und Zukunft werden dereinst, auf einer verchristlichten Erde, ebenso vereint sein wie Innen und Außen, Erleiden und Tätigsein, ein ewiger Atem Gottes wird die erlöste Schöpfung beleben. In seiner H 1 stehen die konjugierten Jupiter und Saturn (Aus- und Einatmen) in der Halbsumme von Merkur und Venus - in seiner H 17 stehen die konjugierten Merkur und Venus in der Halbsumme von Jupiter und Saturn - in seiner H 43 stehen Merkur und Venus in Opposition und diese Oppositionsachse steht in der quadratischen Halbsumme von Jupiter und Saturn.

Pioniertaten in der Wissenschaft entstehen auf der archetypischen Matrix dieser Harmonic: Kopernikus, Kepler, Einstein, Heisenberg, Hahn, Fermi (die Namen dieser Atomphysiker lassen bereits die dunkle Seite anklingen), Lindbergh, Oberth ("Die Rakete zu den Planetenräumen"), Eiffel, Barnard, Marx, Bloch ("Geist der Utopie"), Schönberg, Nostradamus, Jungk ("Futurologie") - all diese Persönlichkeiten gehören zwar sehr unterschiedlichen wissenschaftlichen, technischen, medizinischen, philosophischen, künstlerischen Bereichen an - aber gemeinsam ist ihnen allen die nachhaltige Innovation, die "zukunftsträchtige" Pioniertat, die Orientierung auf ein "Ziel".

Auch die 43. Harmonic kennt ihre Finsternis. Die satanische Umkehrung des Begriffs "Erlösung" ist der Begriff "Endlösung". Die Organisatoren des Nazi-Massenmordes haben den Archetyp der H 43 in seine schwärzesten Tiefen geführt.

Die 47. Harmonic hat die Schlüsselwörter "Physik, Sport, Musik". Recht unterschiedliche menschliche Betätigungen - auf den ersten Blick. Sie lassen sich zusammenfassen unter Begriffen wie "Motorik", "Kinetik" oder "Schwingung". Letzterer Begriff ist eigentlich zu allgemein, denn es ist "im Grunde die gesamte göttliche Schöpfung ein einziger unendlich komplexer ‚Teppich' von Schwingungsmustern" (Walter). Doch sei er hier dennoch als Leitbegriff zum Verständnis dieser Harmonic herangezogen in seinem speziellen, nämlich physikalischen und physiologischen Sinne.

Die Beherrschung des Körpers, der in schwingende Bewegung versetzt wird, ist für den Sportler das vorrangige Ziel, um Leistung zu erreichen. Die Motorik der Muskeln gilt es zu koordinieren, es gilt, sich an Umweltbedingungen harmonisch anzupassen, in den Gruppensportarten gilt es, die Bewegungen der einzelnen Teammitglieder aufeinander abzustimmen. Ähnlich in der Musik beim Umgang mit klingenden, schwingenden Instrumenten, mit der Kehle, mit dem Orchester. Die Liste der Beispiele für Native mit starker H 47 ist in Walters Harmonic-Buch die längste, sie umfaßt Sportler aller Sportarten und geht über klassische und moderne Virtuosen bis hin zu Komponisten und Tänzern. Eines der vielen schönen Beispiele aus dieser Liste ist die H 47 des Tenors und Dirigenten Placido Domingo.

Die 47. Harmonic manifestiert sich im Zirpen der Grillen, im Gesang der Wale, im Musizieren der Menschen, schließlich in der "Musik der Sphären", von der die Mystiker erzählen.

Die Entsprechung "physikalische Schwingung" zeigt sich in der Tatsache, daß vor allem solche Physiker sich unter die "Gruppe 47" einreihen, die sich mit Schwingungs- und Wellenphänomenen beschäftigen: Ohm, Hertz, Fraunhofer, Marconi seien beispielhaft genannt.

In der 53. Harmonic betreten wir einen archetypischen Bereich, der weit entfernt ist von der "praktisch-fröhlichen" Natur der H 47 oder der rationalen der H 41: Es geht hinab in das "Reptiliengehirn", in die archaischen Emotionen und Beweggründe des Menschen, fern des Lichts. Das Licht erreicht diesen archetypischen Bereich nur in der Färbung durch die Bildersprache des Mythos. Neben "Mythos" und "Symbol" sind "Gewalt" und "Tötung" Codierungen dieser Harmonic.

Symbolismus ist eine typische Kunstform von H-53-Künstlern und -Schriftstellern. Unter den Dichtern des Surrealismus finden wir fast alle mit einer auffälligen H 53. Auch Kalligraphen und Illustratoren - insbesondere wo sie archaische Motive bevorzugen wie Alfred Kubin - finden sich hier. Und natürlich Märchenerzähler und Mythenforscher sowie solche Psychologen, die sich mit der Symbolwelt des Unbewußten auseinandersetzen (hier auch einer betonten H 29 zur Seite gestellt). Was die Zunft der Astrologen betrifft, überrascht der Befund nicht, daß praktisch alle bedeutenden Astrologen eine starke H 53 haben - denn die Astrologie ist ja das Symbolsystem par excellence. Ein schönes Beispiel ist die 53. Harmonic von Dane Rudhyar.

Kriege sind Auseinandersetzungen zwischen Völkern, deren Kommunikationsfähigkeit auf bewußten Ebenen zusammengebrochen ist - sie begegnen einander nur noch als Raubtiere und sind, wie sich bis in die jüngste Geschichte hinein zeigt, Vernunft und Menschlichkeit nicht mehr zugänglich, jedoch den abstrusesten Mythologisierungen ihrer Situation. Walter listet eine große Zahl prominenter Militärs als "53er" auf. "Blutrituale" könnte ein weiteres Codewort für die dunkle Seite dieser Harmonic sein, denn auch Stierkämpfer haben eine markante H 53.

Kriminelle und politische Mörder und deren Opfer sind ebenfalls mit einer starken 53. Harmonic "gezeichnet". Dies alles sollte natürlich nicht zu dem Trugschluß verleiten, daß solche "höllischen Erfahrungen" quasi "gottgegeben" sind und die Schrecken von Gewalt und Tod (kein Tod wie in der H 29) unvermeidbar sind. Allerdings zeigt die hochbedeutsame H 53, welchen Einfluß archaische Seelenkräfte immer noch auf das Leben der sich vernünftig wähnenden Menschheit haben. Wenn nun der Mythos, das Symbol das geeignete Instrument ist, diese Seelentiefen auszuloten und zu zivilisieren, so bedeutet dies allerdings auch, daß die törichte Überschätzung der Vernunftfunktion in der neuzeitlichen Philosophie (Beispiel Habermas) zum Scheitern verurteilt ist und eine gewisse "Hereinholung archetypischer Tiefen" in das soziale Leben erforderlich ist, um auch solche Archetypen wie die H 53 sinnvoll integrieren zu können.

Die 59. Harmonic codiert mit "Gesetz" und "Ethik", aber eben auch mit "Gesetzesverachtung". Gesetze im Sinne der H 59 meint nicht nur juristische, sondern auch Naturgesetze oder theologische Dogmen. Der Mensch, die Gesellschaft setzt sich Regeln als allgemeinverbindlich - die Natur tut das schon immer. Die Liste der Naturforscher, die Naturgesetze entdeckten und die eine starke H 59 auszeichnet, ist lang, und einige Namen fanden sich schon bei früheren Harmonics: Kopernikus, Kepler, Newton, Einstein, Heisenberg. Interessant ist, daß auch Ärzte und Therapeuten, die sich um die "Einhaltung der Gesetze des Körpers" oder ihre "Wiedereinsetzung" kümmern, eine starke H 59 haben. Die archetypische Breite dieser Harmonic ist erstaunlich, doch immer stringent: Ärzte und Therapeuten versuchen, den Klienten, seine Seele oder seinen Körper wieder in die "Gesetze des Funktionierens" zurückzugeleiten, aus denen sie durch die Krankheit herausgeworfen wurden.

Kirchengesetze sind ein weiterer Bereich der H 59, wobei sich hier die Neigung zu Dogmen und Enzykliken entwickeln kann. Ethiker, die mit der Frage der Theodizee (der Gerechtigkeit von Gottes Weltordnung) ringen, sind ein anderes Beispiel. Und wie bereits erwähnt, gehört die "gesetzlose Antithese" ebenfalls zu dieser Harmonic: Menschen, die "Gesetzlosigkeit" geradezu zu ihrem aufständischem Programm erklärt haben, gehören mit ihrer starken H 59 hierher: so etwa Jesse James, Billy the Kid, die Mitglieder der einstigen "RAF" oder der schwarze Magier Aleister Crowley, der einen Orden "Thelema" gründete mit dem Motto: "Tu was du willst, soll das ganze Gesetz sein." In einer harmloseren Form handelt es sich um Menschen, die still oder provokativ Konventionen der Gesellschaft und Tabus verletzen.

 

Tabelle 3: Primäre Prim-Harmonics (mittlere Schale)

 

H

Schlüsselwort

13

Geburt, Absonderung, Originalität

17

Ursprung, Zentrum, Narzißmus

19

Sexus, Libido, Spiel

23

Schicksal, Risiko, Erfolg

29

Tod, Traum, Unbewußtes

31

Abstraktion, Rolle, Ghetto

37

Chemie, Verhüllung, Geheimnis

41

Logik, Ratio, Gefühlskälte

43

"Zeitpfeil", Pionier, Utopie

47

Physik, Sport, Musik

53

Symbol, Mythos, Tötung

59

Gesetz, Ethik, Therapie

 

4. Die "Goldene 60-Distanz-Regel"

 

Die 60 ist für die Harmonic-Astrologie von besonderer Bedeutung. Einmal durch ihren Charakter als "Grenzscheide" zwischen den beiden Sphären der Harmonics: der "inneren Sphäre" mit den Harmonics bis 59 und der "äußeren Sphäre" mit den Harmonics > 60 ("äußere Schale"). Damit hängt die sogenannte "Goldene 60-Distanz-Regel" zusammen, die Walter während der Arbeit an seinem Buch fand (nachdem er die meisten Harmonics bereits decodiert hatte) und die diese Decodierungen bestätigte, indem sie einzelne Harmonics der "inneren" und "äußeren" Sphäre sinnvoll miteinander in Beziehung brachte

Am Beispiel der H 7, H 67 und H 127 erläutert Walter diese Regel: "Diese Harmonics stehen zueinander - metaphorisch gesprochen - im Verhältnis von Grundton zur Oktave und höheren Oktave. Die primäre Prim-Harmonic H 7 verkörpert das Saturn-Prinzip; dazu gehört u.a. der Begriff ‚Struktur'. Für die erste sekundäre Prim-Harmonic H 67 fand ich empirisch die umfassende Symbolentsprechung ‚System'. Systeme sind integrierte Ganzheiten, deren Eigenschaften sich nicht auf die kleineren Einheiten reduzieren lassen. Und tatsächlich gehören zum Themenbereich der H 67 sowohl linear verbundene materielle Systeme wie Maschinen als auch nichtlineare offene Systeme wie Organismen, Ökosysteme, Gesellschaftssysteme, die zur Selbstorganisation befähigt sind. Die nächsthöhere Oktave ist die sekundäre Prim-Harmonic 127: Sie codiert gemäß meinen Untersuchungen für Strukturen aus Symbolen, die miteinander auf sinnvolle und logische Weise beispielsweise zu Schriften, Formeln oder Software kombiniert sind - Buchstaben, Zahlen und Zeichen."

Für die Entschlüsselung der sekundären Prim-Harmonics ist es in jedem Fall inspirierend, die jeweils um den Faktor 60 auseinanderliegenden Harmonics gemeinsam zu betrachten. Die bisherigen Forschungsergebnisse Walters seien in Tabelle 5 kurz vorgestellt. Der Vergleich dieser Codes mit denen in Tabelle 3 dürfte den Wert der "Goldenen 60-Distanz-Regel" klarmachen.

 

Tabelle 4: Sekundäre Prim-Harmonics (äußere Schale)

 

H

Schlüsselwort

61

Opfer, Hingabe, Religion

67

System, Maschine, Organismus

71

Auftritt, Show, Redner

73

Lebewesen, Biosphäre

79

Kind, Reifung, Erziehung

83

Vater, Herrschaft, Macht

89

Mutter, Gestaltung, Formschaffen, Verbrennung

97

Aura, Charisma

101

Sozialkritik, Aufklärung

103

Makrokosmos, Sterne, Ufos

107

Physik, Sport, Musik

109

Lebewesen, Biosphäre

113

Suggestion, Trance

127

Formel, Schrift, Software

131

Propaganda, Werbung

137

Entgrenzung, Emanzipation

139

Erforschung, Analyse

149

Intuition, "7. Sinn"

151

Übersinnliches, Psi

157

Geruchssinn, Aroma

163

Mikrokosmos, Atome

167

Physik, Sport, Musik

173

Farbensinn, Malerei

179

Gesetz, Ethik, Therapie

181

Opfer, Hingabe, Religion

 

Astrologische Forschung kann nicht auf statistischem Wege zu neuen Erkenntnissen führen. Man könnte riesige Datenbanken erstellen mit Harmonics und definieren, welche als schwach, als mittel und als stark zu gelten haben, und sich dann entsprechende Auflistungen von Persönlichkeiten ausgeben lassen - und es fehlte doch das geistige Band, welches den psychologischen Sinngehalt aus all diesen Daten herauszudestillieren vermag. Die Astrologie ist eine Geisteswissenschaft und keine Naturwissenschaft. Ohne psychologisches Einfühlungsvermögen bleibt sie eine hohle Sammlung von Methoden, Symbolen und Idealtypen. Sie ist auch Kunst, Deutungskunst, nicht unähnlich der Deutungskunst des Psychoanalytikers. Walter: "Um eine starke Harmonic von einer schwachen, chaotischen Harmonic einigermaßen sicher zu unterscheiden, braucht es auch ein gewisses Sensorium, wie es etwa der Kunstkenner hat, der zwischen genialem Kunstwerk und möglicherweise prätentiösem Pfuschwerk zu unterscheiden weiß." Oder der Psychoanalytiker, der mit sicherem Gespür die bedeutsamen Traumelemente seines Patienten aus dem Sammelsurium der Traumszenen herauszufiltern vermag. Ich bin davon überzeugt, daß die Harmonic-Astrologie mit ihrer Decodierung der Tiefenstruktur des archetypischen Menschen für die Arbeit der Psychologen ein hervorragendes Instrument darstellt - wenn die Psychologen es nur anzunehmen bereit sind.

 

Über Harmonics (c) Bernhard Rindgen 2003

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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